Klimaschutz-Maßnahmenkatalog für Dresden

Fridays, Parents und Scientists for Future Dresden, 06.07.2020

Vorstellung des Projekts

Am 30. Januar 2020 stellte der Dresdner Stadtrat im Beschluss „Fortschreibung der Klimaschutzziele der Landeshauptstadt Dresden“ fest, dass die bisher umgesetzten Maßnahmen in Dresden bei Weitem nicht ausreichen, um den Dresdner Beitrag zu den CO2-Emissionen auf ein klimaverträgliches Maß zu reduzieren. Daher soll in zwei Jahren ein neues Integriertes Energie- und Klimaschutzkonzept (IEuKK) beschlossen werden. Fridays, Parents und Scientists For Future Dresden sind sich einig: Im Angesicht der fortschreitenden Klimakrise sind zwei weitere Jahre ohne zentrale Schritte für den Klimaschutz nicht mehr vertretbar. Auch der der Stadtrat hat beschlossen, dass vor Beginn der Beratungen zum Doppelhaushalt 2021/22 ein Zwischenbericht vorgelegt werden soll, welcher konkrete Vorschläge für kurzfristig zu realisierende Maßnahmen enthält. Das haben die Dresdner For Future Gruppen als eine gute Gelegenheit aufgefasst, sich einzuschalten und den Prozess mit einer eigenen Liste an Vorschlägen und Ideen zu unterstützen.

Andere Städte in Deutschland haben bereits gehandelt: Leipzig hat am 10. Juni 2020 ein Sofortprogramm für den Klimaschutz vorgestellt, für welches 40 Millionen Euro bereitgestellt werden. Am 20. Dezember 2019 wurde in Stuttgart ein 200 Millionen Euro schweres Aktionsprogramm „Weltklima in Not – Stuttgart handelt“ beschlossen. Darüber hinaus zeigt die Coronakrise, dass konsequentes Handeln möglich ist und vorher undenkbare Schritte in kürzester Zeit Realität werden, wenn eine Krise ernst genommen wird. Jeder muss nun seinen Teil tun, auch Dresden. Die folgende Liste mit insgesamt 117 Vorschlägen für Klimaschutz-Maßnahmen soll der Stadt Dresden dabei helfen geeignete Maßnahmen zu finden und umzusetzen. Diese Liste enthält nicht alle Maßnahmen die nötig sind für eine klimaneutrale Stadt, sondern vor allem Maßnahmen, welche im Handlungsspielraum der Stadt selber liegen.

Die Liste soll und darf stetig erweitert werden. Wir stehen gerne für Austausch, Diskussionen und Beratung zur Verfügung.

Fridays For Future Dresden
Parents For Future Dresden
Scientists For Future Dresden

Fehlt etwas? Schreibt eure Vorschläge, Ideen und Anregungen an: massnahmenforfuture@s4f-dresden.de

Ausgewählte Maßnahmen

Folgende Maßnahmen sind eine Auswahl an Punkten aus der Gesamtliste, welche wir für besonders wichtig und erwähnenswert halten.

Allgemein

  1. Klare Vorgaben nennen, bis wann Dresden klimaneutral sein will und wie viel Prozent CO2-Reduktion dies pro Jahrzehnt bedeutet – dies beinhaltet die Festlegung der zeitlichen Reduktionsschritte der CO2-Emissionen, die im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen sind
  1. Mehr Personal und entsprechendes Budget für städtische Klimaschutzprojekte – mindestens auf dem Niveau wie Leipzig
  1. Kontinuierliche städtische Kampagnenarbeit mit deutlichem Bekenntnis zur menschengemachten Klimakrise, den regionalen Problemstellungen und praktischen Klimaschutz-Tipps für Haushalte und Unternehmen (Überarbeitung der Website, Flyer, Plakate, Social Media, Fahrgastfernsehen, Werbeflächen (wie bei Corona), evtl. Kooperation mit dem MDR, den Ministerien, der SAENA)
  1. Transparente Darstellung des von der Stadt verwendeten Ökobilanzierungsansatzes sowie Veröffentlichung der Daten für Neubauten, Sanierungen, etc. um eine Datengrundlage für den öffentlichen Diskurs sowie Investionsvorhaben zu schaffen
  1. Aufgrund drohenden Wassermangels das Wasser- und Trinkwasserkonzept für die Stadt aktualisieren und um Szenarien mit 2°C und 3°C Klimaerwärmung sowie verstärkter Zuwanderung ergänzen

Energie & Gebäude

  1. Wiedereinführung einer bürgernahen kommunalen Energieberatung, die Handel, Gewerbe und Haushalte anbieterunabhängig bei Stromeinsparung, Wärmeschutzmaßnahmen und der Nutzung erneuerbarer Energien unterstützt und berät
  1. Benennung von Klimaschutzbeauftragten für jedes kommunale Gebäude, um den Energieverbauch zu senken und die Nachhaltigkeit zu fördern – diese sollten bereits der Belegschaft angehören und das Gebäude sowie die Abläufe gut kennen (Verknüpfung mit Anreizsystem)
  1. Stufenweise Umstellung der Energieversorgung aller städtischen Einrichtungen auf 100% Ökostrom
  1. Solarpflicht auf allen öffentlichen Neubauten und bei Dachsanierungen – dazu sollte die Umsetzung des Stadtratsbeschlusses A0296/17 von 2017 weiter forciert werden
  1. Investoren die Nutzung von öffentlichen Gebäuden (Dächern, Parkplätzen, etc.) erleichtern, um diese Flächen für Solaranlagen zu nutzen (Entbürokratisierung)
  1. Bebauungspläne an dem Konzept der Solararchitektur ausrichten (Ausrichtung der Dachflächen, Verschattung von Dachflächen und Südseiten vermeiden zur Nutzung von passiver Solarstrahlung im Winter)
  1. Heizungen von städtischen Liegenschaften: Verbot des Einbaus von mit fossilen Energieträgern betriebenen Heizanlagen bei Neubau und Sanierung
  1. Beim Verkauf von städtischen Flächen für Bauzwecke die Bauauflagen anpassen und zur Nutzung von erneuerbaren Energien verpflichten (wie in Tübingen) sowie den Einbau von mit fossilen Energieträgern betriebenen Heizungen untersagen
  1. DREWAG bis 2040 klimaneutral gestalten – Wärme-, Energie- und Wasserversorgung umstellen (Ausbau von erneuerbaren Energien, Absenkung der Fernwärmetemperatur zur Kopplung mit Wärmepumpen etc.)
  1. Abschattungskonzepte und passive Kühlkonzepte attraktiv machen, Auflagen für den Einbau von Klimaanlagen erhöhen (z.B. durch die Auflage diese mit Ökostrom zu betreiben)

Mobilität & Verkehr

  1. Neue Stadtentwicklungskonzepte verfolgen (vgl. Barcelona), die Nachhaltigkeit ins Zentrum rücken und Alternativen zur heutigen PKW-Verkehr-orientierten Stadtplanung aufzeigen – Ortsteilzentren (Kesselsdorfer Straße, Königsbrücker Straße, Leipziger Straße, Laubegast, Klotzsche, …) stärken und deren Aufenthaltsqualität weiter erhöhen (Einkaufs-/ Gastronomiedichte, Bäume, Fahrradbügel, großzügigere Fußgängerbereiche, Barrierefreiheit, Anzahl der Kfz und deren Geschwindigkeit reduzieren)
  1. Fuß- und Radverkehr weiterhin stetig fördern (Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahrbar machen, Unfallschwerpunkte beseitigen, mehr Querungshilfen/ Zebrastreifen, Ampelschaltungen fußgängerfreundlicher gestalten)
  1. Schaffung von temporär autofreien Straßenzügen und Parkplätzen wo Spielen, Gastronomie und Fahrradparken erlaubt ist, nach dem Vorbild der Restaurantterassen auf der Königsstraße sowie der für die Coronazeit initiierten nachbarschaftlich organisierten Spielstraßen in Berlin und München
  1. Autofreie Zonen in der Innenstadt (Altstadt und Neustadt sowie weiteren Ortsteilzentren) beginnend mit verkehrsberuhigten Zonen und Parkplatzreduzierung nach dem Vorbild von Italien und den Niederlanden
  1. Attraktiverer ÖPNV  (Tarifsystem, Taktung, Anbindung, Streckenausbau, Überregional)
  1. Elbradwege großzügig verbreitern um Spaziergängern und Fahrradfahrern eine sichere Nutzung zu ermöglichen, wenn möglich getrennte Streifen für Fußgänger und Radfahrer
  1. Mehr Fahradbügel auf viel genutzen Plätzen und Straßenzügen sowie an den Umstiegspunkten des ÖPNV (vor allem außerhalb der Innenstadt)
  1. Ladeinfrastruktur in allen Stadtbezirken weiter strategisch ausbauen – derzeit werden kostenintensive Ladesäulen aufgestellt, deren volle Ladeleistung kaum ein Elektroauto dieses Jahrzents ausschöpfen kann und welche die Batterien schneller altern lässt, stattdessen sollen günstigere Säulen mit angemessener Leistung verwendet werden und gleichzeitig die Anzahl der Ladesäulen erhöht werden
  1. Stellplatzsatzung modifizieren: Keine Vorgaben zu einer Mindestanzahl an verbindlich zu schaffenden Pkw-Stellplätzen bei Neubauprojekten – alle neuen PKW-Stellplätze mit Stromanschluss versehen

Stadtbild & Grünflächen

  1. Urban Gardening auf öffentlichen Plätzen (z.B. Parks) fördern und städtebauliche Anreize schaffen
  1. Auch im Stadtgebiet Artenschutz stärken und Biodiversität fördern (Insektenunterschlüpfe schaffen, Pestizideinsatz verringern, Nitratbelastung reduzieren, weniger Mäharbeiten, etc.)

Gesamtliste – Vorschläge, Ideen und Anregungen der Dresdner For-Future-Gruppen

Allgemeine Maßnahmen

1. Klare Vorgaben nennen, bis wann Dresden klimaneutral sein will, wie viel Prozent CO2-Reduktion dies pro Jahrzehnt bedeutet – dies beinhaltet die Festlegung der zeitlichen Reduktionsschritte der CO2 Emissionen, die im Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen sind

2. Neue Strategie für die Klimazielerreichung: Weg von „Maßnahmen, um das Klimaziel 2030 zu erreichen“ – hin zu „Maßnahmen, um das Ziel 2050, und dabei das Zwischenziel 2030, zu erreichen“

3. Transparente Darstellung des von der Stadt verwendeten Ökobilanzierungsansatzes sowie Veröffentlichung der Daten für Neubauten, Sanierungen, etc. um eine Datengrundlage für den öffentlichen Diskurs sowie Investitionsvorhaben zu schaffen

4. Mehr Personal und entsprechendes Budget für städtische Klimaschutzprojekte (mindestens auf dem Niveau wie Leipzig)

5. Bestellung eines Klimaschutz-Bürgermeisters/ einer Klimaschutz-Bürgermeisterin

6. Kommunikationsstrukturen innerhalb der Verwaltung stärken – regelmäßige Vernetzung zu bereichsübergreifenden Klimaschutzmaßnahmen (mittels Delegierten)

7. Berücksichtigung der Kosten der potentiellen Klimaschäden bei Wirtschaftlichkeitsvergleichen der Stadt (lt. Umweltbundesamt ist die Tonne CO2 mit 180,- Euro zu bewerten)

8. Kontinuierliche städtische Kampagnenarbeit mit deutlichem Bekenntnis zur menschengemachten Klimakrise, den regionalen Problemstellungen und praktischen Klimaschutz-Tipps für Haushalte und Unternehmen (Überarbeitung der Website, Flyer, Plakate, Social Media, Fahrgastfernsehen, Werbeflächen (wie bei Corona), evtl. Kooperation mit dem MDR, den Ministerien, der SAENA)

9. Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür schärfen, dass Treibhauseffekt zum Problem für alle wird und mit lokalen Problemstellungen belegen (Elbschifffahrt, Wasserknappheit, Brände, Tourismus, Dürreschäden etc.)

10. Ansprechpartner für Bürger*innen einrichten zur vermehrten und zügigeren Umsetzung nachhaltiger Projekte (Vermittlung zu und mit den jeweiligen Verwaltungsbereichen, den städtischen Betrieben und Beratung zu möglichen Rechtswegen)

11. Verwaltungsinterner Wettbewerb: Wie sorgen Mitarbeiter*innen (privat) für Klimaschutz, z.B. in den Kategorien: Mobilität, Konsum, Geldanlage/ Altersvorsorge, ehrenamtliches Engagement, so dass eine „Kultur des Klimaschutzes“ entsteht

12. Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Dresdner Forschungsinstitutionen (TUD, HTW, IÖR, …), um vermehrt studentische Abschlussarbeiten zu klima- und stadtentwicklungsrelevanten Themen schreiben zu lassen und damit die künftige Verbindung zum Klimaschutz in der Studentenschaft und den Forschungsinstitutionen zu verankern

13. Aufgrund drohenden Wassermangels das Wasser- und Trinkwasserkonzept für die Stadt aktualisieren und um Szenarien mit 2°C und 3°C Klimaerwärmung sowie verstärkter Zuwanderung ergänzen

14. Aktualisierung der Brandbekämpfungskonzepte für Großbrände in Waldgebieten und Parks, Abstimmung mit den Akteuren der Region (Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Tschechien, Polen)

15. Städtische Einflussmöglichkeiten zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung ausnutzen und konsequent umsetzen (Kampagnenarbeit, Kommune als Vorbild, Strukturen wie die Dresdner Tafel und den Foodsharing e. V. unterstützen, Einflussmöglichkeiten bei der Marktordnung prüfen)

16. Infrastrukturen für eine nachhaltige Stadtkultur im Kulturentwicklungsplan verankern und konsequent umsetzen (Stadtteilzentren mit offenen Werkstätten, Projekträumen, Lagerräumen, welche den Bürger*innen zur Verfügung stehen etc.)

17. Ausreichende Ausstattung der Lokalen Agenda 21 für Dresden e.V., damit diese ihre Position als Netzwerkplattform zwischen Bürgerschaft/ Verwaltung/ Unternehmern angemessen ausfüllen kann und Hebelwirkungen in Kooperationen anstoßen kann

18. Gezieltere Kommunikation der Zukunftsstadt-Förderung, so dass mehr Bürger*innen sich eingeladen fühlen, Nachhaltigkeitsprojekte aufzusetzen

19. Städtische Möglichkeiten nutzen, um CO2 aus der Atmosphäre zu entziehen (Aufforstung, Holz- und Lehmbau, Humusaufbau etc.)

20. Städtischen Klimaschutzfond aufbauen, in den CO2 Kompensationen eingezahlt werden, dieser finanziert ausschließlich regionale Klimaschutzmaßnahmen

Energie und Gebäude

Energieeinsparung

21. Benennung von Klimaschutzbeauftragten für jedes kommunale Gebäude, um den Energieverbrauch zu senken und die Nachhaltigkeit zu fördern. Diese sollten bereits der Belegschaft angehören und das Gebäude sowie die Abläufe gut kennen. (Verknüpfung mit Anreizsystem)

22. Verwaltungsinterner Wettbewerb bei öffentlichen Gebäuden: Welches Gebäude spart jährlich die meiste Energie (Strom, Wärme) ein?

23. Kurzfristig ist ein Programm zur deutlichen Energieeinsparung in öffentlichen Gebäuden zu erstellen und umzusetzen – damit ist der Stadtratsbeschuss V2572-SR76-08 vom Dezember 2008 umzusetzen, wo auf die bereits erfolgten umfangreichen Voruntersuchungen dazu hingewiesen wird

24. Es sind stichprobenartige Kontrollen von Neubauten zur praktischen Umsetzung der Energieeinsparverordnung (EnEV) durch die Bauaufsicht vorzunehmen und auszuwerten

25. Maßnahmen zur schnellen, hochwertigeren energetischen Sanierung des städtischen Gebäudebestandes (<= 30 kWh/(m2 BGF a) )

26. Sind langfristig rentable Einsparinvestitionen an städtischen Gebäuden und Anlagen auf Grund der angespannten Haushaltslage nicht realisierbar, sollen verstärkt Contracting-Modelle privater Investoren genutzt werden – damit werden perspektivisch steigende Betriebskosten der Stadt begrenzt, der Mittelstand und das lokale Handwerk nach der Coronakrise gefördert und die Vorbildfunktion der Stadt unterstrichen

27. An allen Schulen ist die Bildung von Energie-Teams zu unterstützen – die Schüler*innen, Lehrer*innen und Hausmeister sollen anteilig an den so eingesparten Energiekosten beteiligt werden (z. B. können mit den eingesparten Energiekosten Projekte finanziert werden, über welche die Energieteams/ die Schulen entscheiden dürfen)

28. Vorgaben für Heizung/ Klimatisierung von Geschäften, Firmen und städtischen Liegenschaften anpassen: Verbot von offenen Ladentüren/ -fronten bei laufender Heizung/ Klimaanlage

29. Leuchtmittel in öffentlichen Liegenschaften: Alle defekten Leuchtmittel sind durch LEDs/ Energiesparlampen zu ersetzen

30. Gaslaternen (z.B. in Löbtau und Pieschen) durch energieeffiziente elektrische Laternen austauschen

31. Beschaffungsrichtlinien der Verwaltung für elektrische Geräte hinsichtlich strenger Effizienzvorgaben anpassen (etwa durch A+++ Zertifizierung für alle Geräte)

32. Nutzungszeit von elektronischen Geräten in der Verwaltung die keine signifikante Effizienzsteigerung in den letzten Jahren erfahren haben möglichst verlängern

Beratung

33. Wiedereinführung einer bürgernahen kommunalen Energieberatung, die Handel, Gewerbe und Haushalte anbieterunabhängig bei Stromeinsparung, Wärmeschutzmaßnahmen und der Nutzung erneuerbarer Energien unterstützt und berät

34. Angebot einer kommunale Bauberatung zur Errichtung von KFW40+ und Null-Energie-Häusern einrichten

Solarenergie

35. Solarpflicht auf allen öffentlichen Neubauten und bei Dachsanierungen – dazu sollte die Umsetzung des Stadtratsbeschlusses A0296/17 von 2017 weiter forciert werden (insbesondere bei Schulgebäuden)

36. Bebauungspläne an dem Konzept der Solararchitektur ausrichten. (Ausrichtung der Dachflächen, Verschattung von Dachflächen und Südseiten vermeiden zur Nutzung von passiver Solarstrahlung im Winter)

37. Investierenden die Nutzung von öffentlichen Gebäuden (Dächern, Parkplätzen, etc.) erleichtern, um diese Flächen für Solaranlagen zu nutzen (Entbürokratisierung)

38. Anpassung der Bauvorschriften an aktuelle technischen Weiterentwicklungen zur Erleichterung des Aufbaus von Solaranlagen und Solarthermie Installationen, insbesondere bei Bauten die unter Denkmalschutz stehen (hier sollte die Umwelt Vorrang haben)

39. Größere Parkflächen mit Solaranlagen überdachen

Regenerative Energien allgemein

40. Stufenweise Umstellung der Energieversorgung aller städtischen Einrichtungen auf 100% Ökostrom

41. Die DEWAG-Netz GmbH soll zur verstärkten Förderung von dezentralen Anlagen zur Bereitstellung von Ökostrom im Stadtgebiet eine zusätzliche Einspeisevergütung von 3Ct/ kWh bezahlen – dies soll für Anlagen bis 30 kWp gelten, die Mehrkosten sollen durch einen Aufschlag bei den Netzentgelten in Dresden ausgeglichen werden

42. Kostensenkungspotentiale von erneuerbaren Energien nutzen und somit Steuerzahler*innen langfristig entlasten (Beispielrechnungen belegen, dass die Amortisierung nach ~10 Jahren erreicht wird, danach würde die Stadt Geld sparen)

43. Heizungen von städtischen Liegenschaften: Verbot des Einbaus von fossil betriebenen Heizanlagen bei Neubau und Sanierung

44. Abschattungskonzepte und passiv Kühlkonzepte attraktiv machen, Auflagen für den Einbau von Klimaanlagen erhöhen (z.B. durch die Auflage diese mit Ökostrom zu betreiben)

45. Beteiligung der Großflächenbesitzer in Dresden an Umstellung der Stromerzeugung hin zu regenerativen Energien

46. Ausbau der Fernwärme und Fernkälte (DREWAG) bei gleichzeitigem Verzicht auf fossile Energieträger

47. DREWAG bis 2040 klimaneutral gestalten – Wärme-, Energie- und Wasserversorgung umstellen (Ausbau von erneuerbaren Energien, Absenkung der Fernwärmetemperatur zur Kopplung mit Wärmepumpen etc.)

48. Beim Verkauf von städtischen Flächen für Bauzwecke die Bauauflagen anpassen und zur Nutzung von erneuerbaren Energien verpflichten (wie in Tübingen) sowie den Einbau fossiler Heizungen verbieten

49. Möglichkeiten zu Errichtung von Windkraftanlagen in Dresden/ im Dresdner Umland prüfen, forcieren, Gemeinden am Gewinn beteiligen

50. Modernisierung des Pumspeicherwerks Niederwartha

51. Sämtliche neue Infrastruktur kompatibel mit dem zukünftigen Erneuerbaren Energiesystem in 2050 bauen – keinen Neubau mehr genehmigen der dies nicht ist

Mobilität und Verkehr

52. Autofreie Zonen in der Innenstadt (Altstadt und Neustadt sowie weiteren Ortsteilzentren) beginnend mit verkehrsberuhigten Zonen und Parkplatzreduzierung nach dem Vorbild von Italien und den Niederlanden

53. Schaffung von temporär autofreien Straßenzügen und Parkplätzen wo Spielen, Gastronomie und Fahrradparken erlaubt ist, nach dem Vorbild der Restaurantterassen auf der Königsstraße sowie der für die Coronazeit initiierten nachbarschaftlich organisierten Spielstraße in Berlin/ München

54. Keine neuen Pull-Faktoren für den Kfz-Verkehr (Straßenverbreiterung, Parkplatzausbau, neue Autobahntrassen etc.)

55. Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit mit Ausnahme von wenigen Hauptachsen

56. Fuß- und Radverkehr weiterhin stetig fördern (Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahrbar machen, Unfallschwerpunkte beseitigen, mehr Querungshilfen/ Zebrastreifen, Ampelschaltungen fußgängerfreundlicher gestalten)

57. Weitere Einrichtung von Zebrastreifen und Querungshilfen für sicheren Fußgängerverkehr (Dürerstraße, Holbeinstraße, vor dem japanischen Palais, Königsstraße etc.)

58. Multimodalität stärken: Carsharing-Angebot mit kleinen Elektrofahrzeugen kombiniert mit besserer Taktfrequenz/Anbindung ans Umland – dazu den ÖPNV von Dresden besser mit denen des Umlandes vernetzen, sowohl finanziell als auch vom Fahrplan her

59. Stellplatzsatzung modifizieren: Keine Vorgaben zu einer Mindestanzahl an verbindlich zu schaffenden Pkw-Stellplätzen bei Neubauprojekten – alle neuen PKW-Stellplätze mit Stromanschluss versehen

60. Dezentrale, kleinteilige Einkaufsstrukturen fördern, anstatt autofokussierten Einkaufscentern mit Vollsortimentern

61. Verbesserte Anbindung von Dresden an das ICE Netz in Nord/Süd Richtung und Ost/West, häufig von Firmen genutzte Strecken sind innerdeutsch dürftig ausgebaut (DD-HH; DD-F, DD-S; DD-K; DD-Brüssel)

62. Verkehrsausbau in Dresden klar an Nachhaltigkeitszielen ausrichten und öffentlich kommunizieren

Radverkehr

63. Verkehrsberuhigung durch viele neue geschützte/ baulich getrennte Fahrradstreifen auf Straßen

64. Prüfung aller Einbahnstraßen, ob sie in Gegenrichtung für Fahrräder legal befahrbar gemacht werden können, und dies ggf. umsetzen

65. Unfallschwerpunkte für Radverkehr in Abstimmung mit den regionalen Akteuren (ADFC, etc.) beseitigen

66. Radverkehr: nicht nur ermitteln, welche Strecken gefährlich sind aufgrund von Unfallzahlen, sondern Bedarfsermittlung welche Straßen gar nicht von Radfahrenden genutzt werden, weil sie als zu gefährlich wahrgenommen werden

67. Förderung von Lastenrädern und Bike-Sharing-Diensten

68. Ein Netz von Fahrradstraßen – evtl. mit Freigabe für den Kfz-Verkehr (Anlieger)

69. Umsetzung von Radschnellwegen durch die Stadt nach dem Vorbild von Münster

70. Elberadwege großzügig verbreitern, um Fußgängern und Fahrradfahrern sichere Nutzung zu ermöglichen, wenn möglich getrennte Streifen für Fußgänger und Radfahrer

71. Auf- und Abfahrrampen für Fahrräder an den Elbbrücken zum Elberadweg, um diesen als Fahrrad-Schnellbahnnetz besser zu etablieren

72. Endlich eine Fahrrad-/Fußgängerbrücke am Watzke Ballhaus über die Elbe bauen (steht schon langfristig im Dresdner Verkehrsplan)

73. Mehr Fahrradständer auf viel genutzten Plätzen und Straßenzügen sowie an den Umstiegspunkten des ÖPNV (vor allem außerhalb der Innenstadt)

ÖPNV

74. Attraktiverer ÖPNV  (Tarifsystem, Taktung, Anbindung, Streckenausbau, Überregional)

75. Anreize für Nutzung der ÖPNV schaffen, etwa durch Erhöhung der Parkgebühren: bei den Parkgebühren in der Innenstadt sollten die Kosten einer Familientageskarte zugrunde gelegt werden, sodass z.B. drei Stunden Parken teurer sind als die Familientageskarte – dabei sollte man sich auch an anderen Städten vergleichbarer Größe orientieren, z.B. wird man wohl keine andere Großstadt finden, wo man an einem zentralen Platz wie dem Schillerplatz kostenlos parken kann (Elbeparkplätze)

76. Förderung der Bürgerbeteiligung im ÖPNV (Offenlegung wie Planungen bei der DVB geschehen – Strecken, Taktung, Bedarfsermittlung, Feedbackmöglichkeiten)

77. Quartierbuskonzept ausarbeiten (z.B. Neustadt, Striesen, Löbtau)

78. Park&Ride Parkplätze ausbauen (Einfahrtsstraßen) und Qualität erhöhen (z.B. große Echtzeit-Anzeige, solargestütztes Laden, Toilette, Getränke, windgeschützte Sitzgelegenheiten, Fahrradparkhaus), angepasstes Ticketingkonzept für P&R

79. Neubauflächen am Stadtrand sowie umliegender Gebiete schneller und zwingend an ÖPNV anschließen

80. Die Straßenbahnlinie 13 dauerhaft bis nach Kaditz fahren lassen (Verbindung Neustadt-ElbePark und Pieschen-Parkplatz)

81. Gezielt und offensiv Testmöglichkeiten des ÖPNV anbieten z. B. eine Monatskarte/ Wochenkarte gratis bei Zuzug nach Dresden, beim Umzug oder Arbeitsplatzwechsel in ein anderes Stadtgebiet

Elektromobilität

82. Ladeinfrastruktur in allen Stadtbezirken weiter strategisch ausbauen. Derzeit werden kostenintensive Ladesäulen aufgestellt, deren volle Ladeleistung kaum ein Elektroauto dieses Jahrzehnts ausschöpfen kann und welche die Batterien schneller altern lässt – stattdessen sollen günstigere Säulen mit angemessener Leistung verwendet werden und gleichzeitig die Anzahl der Ladesäulen erhöht werden

83. Charge-at-Work (mit Ökostrom) zum Standard für städtische Angestellte machen

84. Anpassung der Beschaffungsrichtlinie für Fahrzeuge: Stadt/ städtische Betriebe dürfen keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr anschaffen

Energiesparmaßnahmen

85. Straßenbeleuchtung anpassen: Ältere/defekte Leuchtmittel durch Leuchtmittel höchster Energieeffizienz austauschen (Ausschreibungsrichtlinie anpassen)

86. Zeit- und ortsabhängige Steuerung für Straßenbeleuchtung in Abstimmung mit den Anwohner*innen (Anzahl und Dauer der leuchtenden Laternen reduzieren)

87. Zeit- und ortsabhängige Steuerung der Ampelschaltungen, mehr kleinere Kreuzungen in Zeiten geringen Verkehrsaufkommens deaktivieren

Stadtbild und Grünflächen

88. Neue Stadtentwicklungskonzepte verfolgen (vgl. Barcelona), die Nachhaltigkeit ins Zentrum rücken und Alternativen zur heutigen verkehrsorientieren Stadtplanung aufzeigen: Ortsteilzentren (Kesselsdorfer Straße, Königsbrücker Straße, Leipziger Straße, Laubegast, Klotzsche, …) stärken und deren Aufenthaltsqualität weiter erhöhen (Einkaufs-/ Gastrodichte, Bäume, Fahrradbügel, großzügigere Fußgängerbereiche, Barrierefreiheit, Anzahl der Kfz und deren Geschwindigkeit reduzieren)

89. Während der Coronazeit im ganzen Stadtraum, insbesondere Alaunstraße und Louisenstraße, die Möglichkeiten schaffen Parkflächen vor Gastronomieeinrichtungen für die Außengastronomie zur Verfügung zu stellen

90. Auch im Stadtgebiet Artenschutz stärken und Biodiversität fördern (Insektenunterschlüpfe schaffen, Pestizideinsatz verringern, Nitratbelastung reduzieren, weniger Mäharbeiten, etc.)

91. Anpassung des Mahd-Regimes auf städtischen Wiesen an die Anforderungen der Dresdner Naturschutzstationen (→ Ansprechpartner: Umweltzentrum) zur Erhöhung der Biodiversität bei gleichzeitig schrumpfendem Energiebedarf durch selteneres Mähen und Herabsetzung der Verdunstung/ Austrocknung des Bodens

92. „Westerweiterung“ Alaunpark: Fußläufige Verbindung zwischen Neustadt und Hechtviertel

93. „Sponge City“ Konzepte weiterverfolgen: Senkrechte Wasserspeicher in der Stadt – dadurch Kühlung, besonders interessant für Haltestellen, in Verbindung mit Abschattung

94. Parkangebot auf Überkapazitäten prüfen und mehr alternative Konzepte zu deren Nutzung verfolgen (Grün- und Erholungsflächen ausbauen), Schließung von einflächig genutzten oberirdischen Parkplätzen in der Innenstadt

Bäume und Begrünung

95. Bessere Kontrolle der Bauvorschriften bzgl. des Nachpflanzens von Bäumen bei Neu/ Umbauten, sowie Angebot für Eigner, Bäume innerhalb der Stadt pflanzen zu lassen

96. Gemeinsame Baumpflanzaktionen anstoßen mit Organisationen zur Baumpflanzung (z.B. plant for the planet) und der heranwachsenden Generation (insb.: Fridays For Future)

97. Anreize zur Aufforstung auf industriellen Grünflächen setzen – häufig ist dort viel ungenutzte Rasenfläche

98. Bei Bebauungsplänen die Prioritäten in Bezug auf Baumwachstum und Anpflanzung erhöhen

99. Bäume an der Königsbrücker Straße nicht fällen – die Königsbrücker Straße aus dem Hauptroutennetz der Stadt nehmen

100. Begrünung von kommunalen Dächern und Fassaden (PV-Anlagen haben Vorrang)

101. Förderung der Dach- und Fassadenbegrünung

102. Urban Gardening auf öffentlichen Plätzen (z.B. Parks) fördern und städtebauliche Anreize schaffen

103. Verdunstungsschutz/ Verbesserung des Mikroklimas der Innenstadt durch Bepflanzung mit Sträuchern und Hecken, Schaffung von Lebensraum für Vögel und Insekten

Wasserhaushalt & Bewässerung

104. Entsiegelung von Flächen zur Förderung der Versickerung wo möglich (Grundwasserspeisung)

105. Entsiegelung des Bereiches um die Straßenbäume (ca. 5 m Durchmesser), Schaffung einer Mulde/ eines Gefälles in Richtung Stamm (Wasserrückhaltung) und Begrünung (Verdunstungsschutz)

106. Schaffung von Anreizen/ Pflicht für die Rückhaltung und Nutzung bzw. Versickerung von Niederschlägen, Einleitung von Niederschlagswasser in die Kanalisation möglichst vermeiden (vgl. Regelungen für Neubauten in Belgien)

107. Kurzfristige Erstellung eines fortschreibbaren Konzeptes zur anlassbezogenen Bewässerung von Stadtgrün (Straßenbäume und Grünanlagen)

Arbeit und Organisation der Stadt Dresden

108. Keine Flüge für städtische Angestellte und Beamte, wenn alternatives Verkehrsmittel eine Reisezeit von höchstens 8 Std. ermöglicht – bei allen notwendigen Flügen CO2-Kompensation

109. Nutzung der Bahn vor Dienstwagen/ Mietwagen, Grundlage für Bewilligung sollte ein minimaler CO₂-Footprint sein und nicht die Kosten

110. Konzept für Home Office-Arbeit ausarbeiten, das ausgehend von den Pandemie-Home Office-Erfahrungen erlaubt, dass Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung mehrere Arbeitstage pro Woche nicht ins Büro fahren

111. Dienstreisen wenn möglich durch Videokonferenzen ersetzen

112. Bereitstellung von entsprechender IT-Ausstattung aller Arbeitsplätze (keine Beschaffung von Desktop-PCs mehr, sondern generell von Laptops)

113. Ausreichende Bereitstellung von Remote-Desktop-Lizenzen/ Webkonferenzsysteme zum mobilen Arbeiten

114. Schulung von Führungskräften/ Mitarbeiter*innen zur Nutzung von Remote-Tools/ Webkonferenzsystemen

115. Prüfung aller Prozesse, inwieweit sie mit hohem Fahraufwand einhergehen obwohl sie digitalisierbar wären

116. Erfahrungsaustausch mit den Eigenbetrieben und den Betrieben mit kommunaler Beteiligung sowie nachgeordneten Institutionen (z.B. die Kulturbetriebe), um zu gemeinsamen Empfehlungen mit oben genannten Werkzeugen zu kommen

117. Die Standardsuchmaschine der Verwaltung auf ECOSIA umstellen um aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten

Spätestens nach dem Lesen der Liste, sollte klar sein, warum der Bereich Klimaschutz in der Verwaltung mit entsprechendem Personal und finanziellen Mitteln ausgestattet sein muss. Ohne dies kann keine noch so gute Idee Realität werden.